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Zur Zeit, wo das wünschen
noch geholfen hat...

Die Identitätsformel der digitalen Moderne: Ich werde gesehen, also bin ich. Wir bewegen uns in der westlichen Gesellschaft in einer Welt des Leistungsdrucks und somit ist die Selbstoptimierung- und Inszenierung unabdinglich geworden für den beruflichen sowie privaten Erfolg.  

Durch das Leben in Extremen, durch Perfektionismus und Vollkommenheitswahn entfernt sich der angepasste Mensch immer weiter von seinen wahren Gefühlen. Gefühle werden sorgsam versteckt, kontrolliert und beherrscht. Mit anderen Worten: Unsere Konsumgesellschaft fördert die Entwicklung der narzisstischen Persönlichkeitsstörung und dies spiegelt sich vor allem in den sozialen Medien wider.

 

Der Narzissmus wird oft mit dem Gefühl des „in sich Gefangen sein“ beschrieben, welches auch als „Eisenofen-Syndrom“ bekannt ist. Nicht nur Narzissten selbst wissen um dieses Gefühl, vor allem Opfer von Narzissten haben Manipulation und jegliche bipolare Gefühlstorturen erlebt. 

Das Projekt „Iron Stove“ ist ein immersives Erlebnis, bei dem der Besucher in das „innere“ des Narzissmus vordringt und selbst Teil der multimedialen Inszenierung wird. Wobei der Besucher die Rolle des Narzissten selbst, sowie die Rolle des Opfers annimmt. Ziel des Projektes ist es, den eigenen narzisstischen Anteil, entsprechend narzisstischer Handlungen zu hinterfragen. Das Projekt möchte ein Bewusstsein dafür schaffen, dass durch die propagierte Selbstvermarktung und Selbstoptimierung der Medien, narzisstische Charakterzüge in unserer Gesellschaft bedingt werden.

Masterprojekt FH Salzburg

MultiMediaArt

Mediendesign

Master 4. Semester / Juni 2019

Salzburger Landespreis 2020

in der Kategorie Bildungseinrichtungen

Mitwirkende:

Anna Hadaier:  Film & Foto 

Robert Steiner: Schauspiel 

Matthias Egg: Audio Design 

Julian Bertschler, Jakob Vasak: Filmmusik 

David Prokop: Aufnahmeleitung 

Julia Wohlgemuth, Simone Kaltenbrunner: Kameraassistenz 

Patrick Kamalzadeh, Jakob Neuhauser: Licht
Tobia Jonas: Setton 

Laurenz Wakolbinger: Requisiten

Tags: Experience Design, Immersion

Link referenz: www.revelmax.com

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Experience:

Bei „Iron Stove“ handelt es sich um einen geschlossenen Raum, der thematisch in drei Gänge unterteilt ist, welcher der Besucher alleine durchläuft. Jeder Gang behandelt thematisch eine andere Gefühlslage und ist entsprechend inszeniert. 

Zuerst begibt sich der Zuschauer in einen wundersam anmutenden Gang. Er durchschreitet einen Spiegeltorbogen der symbolisch für den Beginn des Narzissmus steht. Im Gang befinden sich mehrere Spiegel worin der Besucher sich in einer Endlosspieglung (Echo) betrachten kann. Nur der größte, prunkvollste Spiegel am Ende des Ganges ist blind. Während der Besucher den Gang durchschreitet, vernimmt er aus dem Off eine flüsternde Stimme, die wiederholt „ich, ich, ich“ sagt. 

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Betritt der Besucher den zweiten Gang, befindet er sich vermeidlich in einem Wohnungsflur. Neben anderen Einrichtungsgegenständen hängen Bilder an den Wänden, die einen jungen „Schönling“ zeigen. Auch hier befindet sich augenscheinlich am Ende des Ganges ein Spiegelelement, welches zunächst den Gang gespiegelt zeigt. Der Besucher bewegt sich auf den Spiegel zu. Dann verzerrt sich plötzlich das Spiegelbild und der „junge Schönling“ im Spiegel tritt hervor und betrachtet den Besucher. Der augenscheinliche Spiegel entpuppt sich in diesem Moment als Monitor, der mittels Bewegungssensoren ein Video ansteuert.

 

Dieses Video ist das Kernstück der Installation, bei dem der Zuschauer in einem vermeintlich direkten Dialog mit der Persönlichkeitsstörung des Protagonisten „Narziss“ auf dramaturgische Weise konfrontiert wird. Lichtstimmung und Sound verstärken die Emotionen, welche ihren Höhepunkt im dramatischen Ende des Videos finden und ein beklemmendes Gefühl beim Besucher hinterlassen. Danach verschwindet Narziss auf dem Bildschirm und das Spiegelbild tritt wieder hervor.

Doch die Stimme von Narziss hallt weiter nach und geht in grausiges Gelächter über, während der Besucher in den dritten Gang schreitet. Der dritte Gang bringt mehrere Emotionen zusammen: Wahnsinn, Faszination, Furcht, Schönheit, Hässlichkeit, Kontrolle, Verlust, Ironie und letztlich die Reflexion mit dem eigenen Spiegelbild. Der Besucher erblickt das „Sein“ hinter dem „Schein“ – die hässliche, armselige Kreatur hinter dem schillernden Narzissten tritt zum Vorschein.

 

Diese hässliche Kreatur mit all ihren Persönlichkeitsanteilen wird anhand von entstellten Masken - mit und ohne Gesicht dargestellt. Aus dem Boden ragen Hände, die den Weg des Besuchers erschweren. Am Ausgang des „Iron Stove“ wiederholt sich das Spiegelelement aus dem ersten Gang, mit dem Unterschied, dass der Besucher sich nun darin sehen kann. Eine schrille Version des Song’s „I got you Babe“ ertönt im letzten Abschnitt des Ganges. Beim Verlassen des „Iron Stove“ sieht der Besucher sein eigenes Spiegelbild zuletzt ganz nah. Die Experience endet somit.

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Werkschau:

Bei der Inszenierung des Ausstellungsexponates im Zuge der Werkschau der FH Salzburg, wurde neben der Raum-Experience in Mitten des Ausstellungsraumes eine Bildergalerie aufgestellt. Auf fünf Staffeleien wurden Großformat-Abzüge der Fotostrecke von Narziss gezeigt, die mit dem Filmdreh fotografiert wurden.

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Kampagne:

Für die Öffentlichkeitswerbung wurde ein Trailer geschnitten, der über Instagram und Facebook veröffentlicht wurde. Zudem wurde ein Pressetext zum Werk verfasst, sowie eine Plakatserie, Info-Flyer und Aufkleber entworfen.

Damit schon eine kleine Experience/Interaktion beim Betrachten der Plakate für den Besucher gegeben wurde, hingen 3D-Folienbrillen (Anaglyph 3D) an den Plakaten. Setzte man die Brille auf, so sah man das jeweilige Plakat mit einem dreidimensionalen Effekt. Nach der Gestaltung der Plakate richtete sich das Design für die Info-Flyer, Banner für Facebook und für die Aufkleber als Gimmick- und Werbemittel.

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After All:

Die Planung und Umsetzung des interdisziplinären Projektes – vom Konzept, bis hin zur Erstellung der handgefertigten Masken, dem Raumbau, Filmdreh bis über öffentliche Werbung, dauerte 1 1/2 Jahre. 

 

Das Projekt wurde im Rahmen der Werkschau 2019 der FH Salzburg ausgestellt und erfreute knapp 200 Besucher. Der Kurzfilm wurde zudem beim Screening der filmischen Abschlussarbeiten der FH Salzburg im Stadtkino Hallein vorgeführt. Des Weiteren wurde das Projekt für den Filmforum Preis Austria, den Salzburger Landespreis sowie beim ADC Junior Wettbewerb 2019 vorgeschlagen und eingereicht.

Making of:

Über 10 Kommilitonen wirkten an diesem Projekt mit. Besonderer Dank gilt meiner Kollegin aus dem Film Department, Anna Hadaier, die ich für den Dreh des Videos begeistern konnte. Die Ästhetik des Filmes spricht für die Qualität ihrer Arbeit. Das Projekt wurde während den 1 1/2 Jahren stets dokumentiert und in Form einer Website präsentiert. Die Abgabe der Dokumentation erfolgte als Miniatur 3D Modell des Iron Stoves in Form einer Box. Die Box beinhaltete neben einer Spiegelplatte, die Zugangsdaten der Website.